Die Wahl des Journals ist kein Schritt, der erst nach Fertigstellung des Manuskripts kommt. Sie beeinflusst, wie die Arbeit gerahmt wird, was im Abstract und in der Einleitung betont wird und ob die Einreichung überhaupt eine realistische Chance hat, die erste editorielle Prüfung zu überstehen. Viele Forschende, besonders bei der ersten Einreichung, treffen diese Entscheidung schnell und informell. Das Ergebnis ist oft ein Desk-Rejection, das mit der wissenschaftlichen Qualität wenig zu tun hat.

Dieser Leitfaden zeigt fünf häufige Fehler bei der Journalwahl und für jeden Fehler eine konkrete Prüfung, die Sie vor der Einreichung durchführen können.


1. Auswahl allein nach Impact Factor

Der Impact Factor ist ein sinnvoller Hinweis. Er sagt etwas über Sichtbarkeit, Zitationsstärke und Stellung eines Journals im Fach aus. Der Fehler besteht darin, ihn als einziges Kriterium zu behandeln. Ein hoher Impact Factor sagt nicht, ob das Journal regelmäßig Arbeiten wie Ihre veröffentlicht.

Ein allgemeines klinisches Journal mit IF 20 kann eine gute mechanistische oder eng fokussierte Studie innerhalb eines Tages ablehnen, wenn diese Arbeit eigentlich in ein spezialisiertes Journal mit IF 6 gehört. Die Ablehnung bedeutet dann nicht, dass die Studie schwach ist, sondern dass das Journal nicht zum Manuskript passt.

Gerade Nachwuchsforschende hören oft den Rat: “Zielen Sie so hoch wie möglich.” Das ist nicht grundsätzlich falsch, wird aber problematisch, wenn die Passung zum Scope nie geprüft wird.

Check: Suchen Sie das Journal in PubMed und sehen Sie sich die letzten 20 bis 30 veröffentlichten Arbeiten an. Wenn Ihr Thema, Ihre Population oder Ihre Methode dort kaum vorkommt, ist das Journal wahrscheinlich trotz hohen Impact Factors keine gute Wahl.


2. Aims and Scope nicht sorgfältig lesen

Viele Forschende öffnen die Aims-and-Scope-Seite. Deutlich weniger lesen sie aufmerksam genug, um zu erkennen, was das Journal tatsächlich annimmt oder ausschließt. Ein einziges breites Stichwort, das zum eigenen Thema passt, ist noch kein Beleg für editorielle Passung.

Ein Autor, der kardiovaskuläre Outcomes bei älteren Patienten untersucht, sieht vielleicht das Wort “cardiovascular” und hält das Journal deshalb für passend. Der Editor kann dieselbe Einreichung lesen und entscheiden, dass das Journal in Wirklichkeit molekulare Kardiologie, interventionelle Studien oder andere Populationen priorisiert.

Die wertvollsten Sätze auf einer Scope-Seite sind oft die einschränkenden Aussagen: welche Studientypen nicht gewünscht sind, welche Populationen besonderes Interesse haben und welche Arbeiten das Journal nur selten berücksichtigt.

Check: Notieren Sie die drei zentralen Aussagen Ihres Manuskripts. Vergleichen Sie jede mit der Sprache auf der Scope-Seite. Wenn weniger als zwei der drei klar passen, streichen Sie das Journal von Ihrer Liste.


3. Zulässige Studiendesigns nicht prüfen

Auch wenn das Thema passt, kann das Studiendesign unpassend sein. Viele Journale platzieren entscheidende methodische Einschränkungen in den Author Guidelines statt auf der Scope-Seite. Wer nur die Übersicht liest, übersieht leicht Regeln, die für eine sofortige Ablehnung ausreichen.

Typische Einschränkungen sind Mindeststichproben, keine Annahme von Fallberichten oder kleinen Pilotstudien, verpflichtende Reporting-Standards wie STROBE oder CONSORT und in manchen Bereichen eine Pflicht zur Vorregistrierung.

Vor allem bei der ersten Einreichung wird oft angenommen, dass thematische Passung ausreicht. Das tut sie nicht. Editoren lehnen regelmäßig Manuskripte ab, weil die Studienkategorie selbst nicht zur Journalpolitik passt.

Check: Öffnen Sie die Author Guidelines und suchen Sie nach Begriffen wie “study design”, “sample size”, “case report”, “pilot” und “randomized”. Halten Sie alle Anforderungen fest, die für Ihr Manuskript relevant sind, bevor Sie Zeit in die Formatierung investieren.


4. Aktuelle editorielle Richtung ignorieren

Journale verändern sich. Editorial Boards wechseln, strategische Schwerpunkte verschieben sich, und ein Journal, das früher häufig Arbeiten wie Ihre veröffentlicht hat, kann sich inzwischen in eine andere Richtung entwickelt haben. Manchmal wird das in einem Editorial offen angekündigt. Manchmal erkennt man es nur im aktuellen Inhaltsverzeichnis.

Viele Forschende verlassen sich auf den historischen Ruf eines Journals. Sie erinnern sich daran, dass dort vor drei oder vier Jahren ähnliche Arbeiten erschienen sind, und gehen davon aus, dass das Journal heute noch genauso interessiert ist. Editoren beurteilen Einreichungen aber nach dem Journal, das sie heute führen.

Gerade dieser Fehler lässt sich besonders leicht vermeiden, weil die relevanten Hinweise öffentlich zugänglich sind.

Check: Filtern Sie die PubMed-Treffer für das Zieljournal auf die letzten 12 Monate. Prüfen Sie, ob Ihr Forschungstyp weiterhin erscheint. Falls nicht, suchen Sie nach einem aktuellen Editorial, einer neuen Mission-Statement oder einem Wechsel in der Redaktion, bevor Sie einreichen.


5. Einreichung bei predatory journals

Predatory Journals sind darauf ausgelegt, für unerfahrene Autoren plausibel zu wirken. Ihre Websites sehen professionell aus, die Gebühren ähneln denen seriöser Open-Access-Journale, und auf den Editorial-Board-Seiten stehen mitunter reale Forschende, manchmal sogar ohne deren Zustimmung.

Die Folgen einer Veröffentlichung in einem predatory journal können erheblich sein. Der Artikel wird möglicherweise nicht in PubMed oder Scopus indexiert, zählt bei Berufungsverfahren oder Förderanträgen nicht und lässt sich später nur schwer aus dem akademischen Lebenslauf korrigieren.

Wer unter Publikationsdruck steht, ist besonders anfällig für Einladungen mit Versprechen wie schneller Begutachtung oder rascher Annahme. Die Formulierungen klingen schmeichelhaft, aber dahinter kann ein Journal ohne ernsthafte redaktionelle Standards stehen.

Check: Prüfen Sie, ob das Journal im DOAJ gelistet oder in PubMed oder Scopus indexiert ist. Recherchieren Sie mindestens zwei Mitglieder des Editorial Boards und bestätigen Sie, dass es sich um reale Wissenschaftler mit verifizierbarer institutioneller Zugehörigkeit handelt. Wenn das Journal Sie aktiv per E-Mail kontaktiert hat, ist zusätzliche Vorsicht angebracht.


Checkliste vor der Einreichung

  • Haben Sie die jüngsten Publikationen des Journals in PubMed geprüft statt nur auf den Impact Factor zu schauen?
  • Haben Sie die drei Kernthesen Ihres Manuskripts mit der Scope-Seite abgeglichen?
  • Haben Sie die Author Guidelines auf Einschränkungen zum Studiendesign geprüft?
  • Haben Sie bestätigt, dass das Journal in den letzten 12 Monaten weiterhin Ihren Forschungstyp veröffentlicht?
  • Haben Sie die Seriosität des Journals über Indexierung oder DOAJ verifiziert?

Keine dieser Prüfungen dauert lange. Zusammen senken sie jedoch deutlich das Risiko eines Desk-Rejection aus Gründen, die nichts mit der wissenschaftlichen Qualität zu tun haben. Das Ziel ist nicht, das höchstgerankte Journal zu finden, das Ihr Manuskript theoretisch akzeptieren könnte. Das Ziel ist, das Journal zu finden, dessen aktuelle editorielle Prioritäten am besten zu Ihrem tatsächlichen Beitrag passen.


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